Essstörungen (Anorexie/Bulimie/Binge-Eating)
1. Diagnosen nach ICD 10:
F 50.0 Anorexia nervosa
F 50.1 Atypische Anorexia nervosa
F 50.2 Bulimia nervosa
F 50.3 Atypische Bulimia nervosa
F 50.4 Essattacken bei sonstigen psychischen Störungen
F 50.5 Erbrechen bei sonstigen psychischen Störungen
F 50.8 Sonstige Essstörungen
F 50.9 Essstörung, nicht näher bezeichnet
2. Aufnahme- und Ausschlusskriterien:
Relative Kontraindikationen für eine Aufnahme sind:
- BMI unter 15 (Kriterium: Rehabilitationsfähigkeit)
Absolute Kontraindikationen für eine Aufnahme sind:
Gleichzeitig bestehende
- akute Suizidalität
- akute psychotische Störung
- akutes Abhängigkeitssyndrom
- intensivmedizinische Behandlungsbedürftigkeit
3. Fallspezifische Merkmale - Dekompensation in einer „Schwellensituation“ (z. B. Spätadoleszenter Ablösungskonflikt, Ausbildungsabschluss, Heirat)
- Chronifizierte Störung
- Partnerschafts-/Familien-Konflikt
- Posttraumatische Belastungsstörung (PTSD)
- Arbeitsplatz-Konflikt
- Persönlichkeitsstörung
- „Psychiatrische Komorbidität“
4. Rahmenbedingungen für Aufnahme und Behandlung:
Bei der Aufnahme wird vereinbart, dass der Patient bei vitaler Gefährdung auf eine internistische Krankenhausstation verlegt und nach Besserung wieder aufgenommen werden kann. Über die Dringlichkeit einer Verlegung entscheiden die behandelnden Ärzte auf der Basis regelmäßiger Kontrollen der Elektrolyt-Konzentrationen im Serum, des EKG, des Körpergewichts und des Allgemeinbefindens.
5. Behandlungselemente:
- Körpermedizinische und psychotherapeutische Betreuung je nach Behandlungserfordernis getrennt oder in einer Hand; internistische und gynäkologische Mitbetreuung, ggf. weitere Fachdisziplinen
- Therapiezielorientierte Information über Ursachen, Erscheinungsformen, Begleiterscheinungen und Folgen von Essstörungen (Vorträge zum Krankheitsbild)
- Vereinbarung individueller Kost und Kostverteilung
- Lehrküche, Diätberatung, Ernährungsinformation, Essbegleitung
- Regelmäßige Gruppentherapie
- Indikative Gruppe „Essstörungen“
- Stationsgruppe
- Kombinierte Bewegungs- und Kunsttherapiegruppe (speziell für Essgestörte)
- Entspannungstraining (AT, Progressive Muskelrelaxation)
- Dosierte sporttherapeutische Behandlung (Gruppengymnastik, Spiele, Tanztherapie, Schwimmen, Ergometertraining usw.) zur therapeutischen Modifizierung des Körpererlebens und des pathologischen Bewegungsdranges.
- Einzelpsychotherapie (2 Sitzungen/Woche): Hier werden die Erfahrungen in den verschiedenen Therapien unter Berücksichtigung der biographischen Anamnese und der Übertragungsbeziehung struktur- und konfliktbezogen integrierend und Verhalten modifizierend bearbeitet. Hier wird eine Zukunftsperspektive unter Berücksichtigung weitergehender psychotherapeutischer und sozialmedizinischer Erfordernisse (ggf. ambulante Psychotherapie, Wiedereingliederungsmaßnahmen, IRENA, Curriculum Hannover) erarbeitet.
- Paargespräche, Familiengespräche
- Sozialberatung (z. B. Klärung von Ausbildungs-, beruflichen oder Arbeitsplatzfragen)
- Rehabilitationsberatung