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Traumatologie

1. Diagnosen nach ICD 10

F 43   Reaktionen auf schwere Belastungen und Anpassungsstörungen
    F 43.1   Posttraumatische Belastungsstörung
    F 43.2   Anpassungsstörung
    F 43.8   Sonstige Reaktion auf schwere Belastung
F 62   Andauernde Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung

Sekundäre Traumafolgestörungen nach ICD 10
F 3   Affektive Störungen
    F 32   depressive Episode
    F 33   rezidivierende depressive Störungen    
    F 34   anhaltende affektive Störungen
        F 34.1   Dysthymia
    F 40   phobische Störungen
    F 41   sonstige Angststörungen
    F 44   dissoziative Störungen (Konversionsstörungen)
    F 45   somatoforme Störungen
    F 60   Persönlichkeitsstörungen
       F 60.3   emotional instabile Persönlichkeitsstörung
       F 60.4   histrionische Persönlichkeitsstörung


2. Aufnahme- und Ausschlusskriterien:

Relative Kontraindikation für eine Aufnahme ist:

  • akutes, extrem gefährdendes selbstverletzendes Verhalten
Absolute Kontraindikationen für eine Aufnahme sind:
  • akute Suizidalität   
  • psychotische Störung
  • akutes Abhängigkeitssyndrom
  • Rollstuhlpflichtigkeit


3. Fallspezifische Merkmale

  • akute Traumatisierung und ambulante Behandlung nicht ausreichend
  • Gefahr der Chronifizierung bei Traumaopfern
  • Angst- oder/und depressive Störung mit (vermutlich) Traumaätiologie
  • Konversionsstörung/dissoziative Symptomatik als Traumafolge
  • Persönlichkeitsstörung mit (möglicherweise) psychotraumatischer Genese


4. Rahmenbedingungen für Aufnahme und Behandlung

Alle Patienten der Klinik werden routinemäßig bei Aufnahme mit dem Fragebogen zu traumatischen Lebensereignissen (FTL), einer klinikeigenen Weiterentwicklung des TLEQ (Traumatic Life Event Questionnaire nach KUBANY, dt.: TEEGEN) untersucht. Sind dabei Traumata in der Vorgeschichte eruierbar oder bestehen Hinweise auf aktuell wirksame Traumapathologie, kann eine gezielte weiterführende Diagnostik erfolgen (IES nach HOROWITZ, PCL-C nach WEATHERS et. al.). Bei Hinweisen auf das Vorliegen dissoziativer Symptome kann mittels des FDS (DES nach PUTNAM, dt.: FREYBERGER) auch die häufig vorliegende Komorbidität mit dissoziativen Störungen erfasst werden. Patienten, deren Symptomatik ganz oder mitursächlich traumabedingt ist, erhalten eine Behandlung nach dem vorliegenden Konzept. Bei Komorbiditäten (z.B. Essstörungen) können Elemente anderer Behandlungsschwerpunkte in den individuellen Behandlungsplan integriert werden.

5.   Behandlungselemente:

  • Therapiezielorientierte Information über Ursachen, Erscheinungsformen, Begleiterscheinungen und Folgen von Psychotraumatisierung
  • Regelmäßige Gruppentherapie
  1. Gruppe „Imaginative Stabilisierung“
  2. Stationsgruppe
  3. Entspannungstraining (AT, Progressive Muskelentspannung)
  4. Störungshomogene kombinierte kreativtherapeutische Gruppe (Kunsttherapie und Körperwahrnehmung)
  • Ergotherapie
  • Einzelpsychotherapie:     Hier werden die Erfahrungen in den Therapien unter Berücksichtigung der biographischen Anamnese und der Übertragungsbeziehung struktur- und konfliktbezogen integrierend und Verhalten modifizierend  bearbeitet.   Hier wird eine Zukunftsperspektive unter Berücksichtigung weitergehender  psychotherapeutischer und insbesondere sozial-medizinischer Erfordernisse erarbeitet. (Vorbereitung auf ambulante Psychotherapie,  Maßnahmen zur Teilhabe am Arbeitsleben, IRENA, Curriculum Hannover). Bei entsprechender Indikation werden auch Verfahren der Traumabearbeitung (EMDR, Screen- und Beobachtertechnik) eingesetzt.
  • Paargespräche, Familiengespräche
  • Sport- und bewegungstherapeutische Behandlung (Gruppengymnastik, Spiele, Tanztherapie, Schwimmen, Ergometertraining usw.) zur Entwicklung und Bestärkung motorischer, koordinativer  und sozialer Möglichkeiten und Fähigkeiten als Hilfen zur konstruktiven Bewältigung von Labilisierungen des Selbstwertgefühls und der Einschätzung eigener Fähigkeiten.
  • Mitbetreuung durch Sozialdienst  
  • Belastungserprobung
  • Rehabilitationsberatung